Tariflöhne steigen 2024 bisher nominal um 5,6 Prozent – weiterhin erheblicher Nachholbedarf bei den Reallöhnen
„Unter Berücksichtigung der im 1. Halbjahr 2024 getätigten Neuabschlüsse und der in den Vorjahren für 2024 bereits vereinbarten Tariferhöhungen steigen die Tariflöhne in diesem Jahr nominal um durchschnittlich 5,6 Prozent. Angesichts eines deutlichen Rückgangs der Inflationsraten auf durchschnittlich 2,4 Prozent im 1. Halbjahr 2024 ergibt sich hieraus real eine Lohnsteigerung von 3,1 Prozent. (…) „Die Kaufkraftverluste der Vorjahre konnten damit etwa zur Hälfte kompensiert werden. Insgesamt liegt das preisbereinigte Niveau der Tariflöhne jedoch immer noch deutlich unter dem Spitzenwert des Jahres 2020. Damit besteht bei der Tariflohnentwicklung weiterhin ein erheblicher Nachholbedarf. (…) Einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Tariflöhne leisten im Jahr 2024 wiederum die sogenannten Inflationsausgleichsprämien (…) „Allerdings sind die Inflationsausgleichsprämien als Einmalzahlungen durchaus ein zweischneidiges Schwert…“ Pressemitteilung vom 13. August 2024 der Hans-Böckler-Stiftung
und abschließend:
- Von wegen mehr Netto: Tarifverdienste 2024 um 4,8% gestiegen, Reallöhne um 3,1% – aber v.a. wegen Inflationsausgleichsprämien und an den Verbraucherpreisen vorbei
- Tarifverdienste im Jahr 2024 um 4,8 % gestiegen
„Tarifliche Verdienste steigen erstmals seit 2020 stärker als Verbraucherpreise / Untere Leistungsgruppen profitieren besonders stark von Inflationsausgleichsprämien
„Die Tarifverdienste in Deutschland einschließlich Sonderzahlungen waren im Jahr 2024 um 4,8 % höher als im Vorjahr. Ohne Sonderzahlungen nahmen die Tarifverdienste im Jahr 2024 um 4,3 % zu, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt. Im selben Zeitraum erhöhten sich die Verbraucherpreise um 2,2 %. Damit stiegen die Tarifverdienste erstmals seit dem Jahr 2020 wieder stärker als die Verbraucherpreise. Der deutlich stärkere Anstieg der Tarifverdienste mit Sonderzahlungen ist hauptsächlich auf die Zahlungen von Inflationsausgleichsprämien sowie höhere Tarifabschlüsse zurückzuführen…“ Destatis-Pressemitteilung vom 28. Februar 2025 - Destatis: Reallöhne im Jahr 2024 um 3,1 % gestiegen
„Stärkster Reallohnanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008 – Nominallöhne nehmen im selben Zeitraum um 5,4 % zu – Überdurchschnittliche Nominallohnanstiege bei Frauen und Geringverdienenden (…) Die Nominallöhne in Deutschland waren im Jahr 2024 um 5,4 % höher als im Vorjahr. Die Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum um 2,2 %. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, nahmen die Reallöhne im Jahr 2024 damit um 3,1 % gegenüber dem Vorjahr zu. Das war der stärkste Reallohnanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008. Während in den Jahren zuvor noch insbesondere die hohe Inflation den Nominallohnanstieg aufgezehrt hatte, ist das starke Reallohnwachstum im Jahr 2024 auf die schwächere Inflationsentwicklung, die Zahlungen von Inflationsausgleichsprämien und die in Tarifverträgen beschlossenen Lohnsteigerungen und Einmalzahlungen zurückzuführen. (…) Die Verdienste der Vollzeitkräfte insgesamt stiegen 2024 um 5,5 % gegenüber dem Vorjahr. Unter den Vollzeitbeschäftigten wiesen Frauen mit einem durchschnittlichen Nominallohnwachstum von 5,8 % stärkere Verdienststeigerungen auf als Männer (+5,3 %). Dies trug zu einer Verringerung des Gender Pay Gap von 18 % auf 16 % bei (…). Insbesondere Geringverdienende hatten 2024 ein starkes Nominallohnwachstum zu verzeichnen. Betrachtet man die Vollzeitbeschäftigten nach ihrer Verdienstgrößenklasse, hatte das Fünftel mit den geringsten Verdiensten (1. Quintil) mit einem durchschnittlichen Nominallohnwachstum von 7,8 % die stärksten Verdienststeigerungen. Dies ist wie bereits im Vorjahr vorrangig auf den prozentual stärkeren Effekt der Inflationsausgleichsprämie in dieser Verdienstgrößenklasse zurückzuführen, da diese steuerfreie Zahlung meist unabhängig von der Gehaltsstufe als Festbetrag ausgezahlt wurde. Für das oberste Fünftel mit den höchsten Verdiensten unter den Vollzeitbeschäftigten (5. Quintil) betrug der Nominallohnanstieg – auch wegen des geringeren Effekts der Inflationsausgleichsprämie – dagegen lediglich 5,0 % und lag damit unter der Nominallohnentwicklung in der Gesamtwirtschaft. (…) Seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008 gab es keine vier Quartale in Folge, die einen so starken Reallohnanstieg verzeichneten wie im Jahr 2024…“ Destatis-Pressemitteilung Nr. 072 vom 26. Februar 2025 - Reallohnentwicklung: Von wegen mehr Netto. Kaufkraftverluste aus Vorjahren nur zur Hälfte kompensiert. Jobabbau in vollem Gang
„Haben Sie es schon bemerkt? Ihr Geldbeutel fühlt sich wieder praller an. Soll heißen: Da ist wieder mehr drin. Zumindest erweckt das Statistische Bundesamt diesen Anschein. Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, sind die Reallöhne in Deutschland 2024 im Vergleich zu 2023 im Schnitt um 3,1 Prozent gestiegen. Die Entwicklung ist sogar nicht weniger als rekordverdächtig, wissen die Wiesbadener Statistiker. Denn nie seit Beginn der Zeitreihe vor 17 Jahren hätten die Einkommen stärker zugelegt. Die Meldung knüpft an eine Reihe früherer Quartalsberichte mit demselben Tenor an, der da lautet: Für die Werktätigen im Land geht es wirtschaftlich bergauf. Das ist eine ziemlich beschränkte Sicht der Dinge. Malte Lübker, Referatsleiter Tarif- und Einkommensanalysen beim Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, zieht eine längere Zeitreihe zu Rate. »Bei den Löhnen sehen wir im wesentlichen eine Aufholbewegung«, äußerte er am Mittwoch gegenüber junge Welt. »Trotzdem lagen sie im vergangenen Jahr preisbereinigt noch immer unter dem Niveau des Jahres 2019.« Hintergrund ist eine Zeit multipler Krisen, angefangen mit dem ersten Coronajahr 2020, als die Löhne um 1,2 Prozent nachgaben. So richtig bitter wurde es 2022 mit der Preisexplosion im Zuge der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und einem realen Lohnminus von vier Prozent. Das wirkt bis heute fort. »Per Saldo konnten die Kaufkraftverluste der Vorjahre bisher nur zu etwas mehr als der Hälfte kompensiert werden«, befand Lübker. »Aber immerhin wachsen die Löhne inzwischen wieder schneller als die Preise.« Das Bundesamt verkneift sich diese Einordnung und rapportiert lieber im Stil eines Hofberichterstatters. Zum Beispiel zu »überdurchschnittlichen Nominallohnanstiegen bei Frauen und Geringverdienenden«. (…) Dazu kommen düstere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young dürften bis zum Jahresende weitere 100.000 Stellen in der Industrie verlorengehen, nach 70.000 im Vorjahr. Seit 2019 sei die Zahl der Arbeiter in diesem Schlüsselsektor »unterm Strich um 141.400« geschrumpft. Passend dazu ist das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts im Februar auf 93 Punkte nach 93,4 im Januar gesunken. »Die Unternehmen in Deutschland planen mit weniger Personal«, hielt Klaus Wohlrabe fest, der bei Ifo die Umfragen leitet. »Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen, die Beschäftigung nur noch stagnieren«, gab am Mittwoch außerdem Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu bedenken. »Die Arbeitsagenturen blicken mit Sorge auf 2025.« Wer eigentlich nicht?“ Artikel von Ralf Wurzbacher in der jungen Welt vom 27. Februar 2025
- Tarifverdienste im Jahr 2024 um 4,8 % gestiegen
- [Jahresbilanz des WSI] Tariflöhne steigen 2024 nominal um durchschnittlich 5,5 Prozent – „kräftiger Kaufkraftschub“ wegen einmaliger Inflationsausgleichsprämien
„Die Tariflöhne in Deutschland steigen im Jahr 2024 nominal gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 5,5 Prozent. Da der Anstieg der Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt 2024 mit voraussichtlich 2,2 Prozent gegenüber den historisch hohen Inflationsraten der Jahre 2022 und 2023 wieder deutlich zurückgegangen ist, erhalten die Tarifbeschäftigten mit durchschnittlich 3,2 Prozent erstmals wieder einen kräftigen Reallohnzuwachs. Zu diesem Ergebnis kommt das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in seiner heute vorgelegten vorläufigen Jahresbilanz für das Tarifjahr 2024. Nominal entspricht die Zuwachsrate bei den Tariflöhnen im Jahr 2024 exakt der des Vorjahres. Im längerfristigen Vergleich ist sie jedoch außergewöhnlich hoch. „Die Tariflohnentwicklung des Jahres 2024 ist nach wie vor eine Reaktion auf die außergewöhnlich hohen Inflationsraten der Vorjahre, in denen die Beschäftigten einen erheblichen Rückgang der Reallöhne hinnehmen mussten“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten. „Durch die kräftigen Reallohnzuwächse in diesem Jahr konnten die Kaufkraftverluste der drei Vorjahre etwa zur Hälfte kompensiert werden.“ Das preisbereinigte Niveau der Tariflöhne liegt insgesamt auf dem Niveau des Jahres 2018 und damit deutlich unter dem Spitzenwert des Jahres 2020. „Die reduzierte Kaufkraft der Beschäftigten ist ein wesentlicher Grund für die schwache Konjunkturentwicklung in Deutschland“, sagt Schulten. „Auch wenn die Einkommen der Beschäftigten in diesem Jahr wieder Boden gut gemacht haben, besteht also weiterhin erheblicher Nachholbedarf.“ (…) Einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Tariflöhne leisten im Jahr 2024 wiederum die sogenannten Inflationsausgleichsprämien (IAPs), die in nahezu allen großen Tarifbranchen wie auch in vielen kleinen Tarifbereichen vereinbart wurden. Bei den IAPs handelt es sich um steuer- und abgabenfreie Einmalzahlungen, die den Beschäftigten, im Vergleich zu einer regulären Tariferhöhung, einen höheren Nettolohn und den Arbeitgebern niedrigere Arbeitskosten ermöglichen. Je nach Tarifbereich variieren die IAPs zwischen einigen hundert bis zu 3.000 Euro. In vielen Fällen werden sie über einen Zeitraum von zwei Jahren in mehreren Tranchen oder auch als monatliche Zusatzzahlungen gewährt. Insgesamt können die IAPs bis Ende 2024 ausgezahlt werden, so dass sie in diesem Jahr noch einmal stark zur Geltung kommen. (…) „Allerdings sind die Inflationsausgleichsprämien als Einmalzahlungen durchaus ein zweischneidiges Schwert“, so Tarifexperte Schulten. „Auf der einen Seite haben sie kurzfristig geholfen, Kaufkraftverluste zu begrenzen und sorgen in diesem Jahr für besonders hohe Reallohnzuwächse. Schon jetzt ist allerdings auch absehbar, dass sich der Wegfall der Inflationsausgleichsprämien im Jahr 2025 stark dämpfend auf die Tariflohnentwicklung auswirken wird.“ Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 6. Dezember 2024(„Tariflöhne steigen 2024 nominal um durchschnittlich 5,5 Prozent – Reallohnzuwachs von 3,2 Prozent gibt erstmals wieder einen kräftigen Kaufkraftschub“)